Kodak Sofortbildkameras – der kurze Kampf gegen Polaroid
Sofortbilder waren lange Zeit fest mit einem Namen verbunden: Polaroid. Doch 1976 wagte sich auch Kodak auf dieses Gebiet – und brachte damit Bewegung in einen Markt, den Polaroid bis dahin praktisch allein beherrscht hatte.
Kodak entwickelte dafür nicht nur eigene Kameras, sondern auch einen eigenen Sofortbildfilm: den Kodak Instant Print Film PR-10. Mit den Modellen Kodak EK4 und Kodak EK6 Instant Camera begann der Angriff auf den Sofortbildmarkt.
Doch Polaroid wehrte sich. Es folgte ein jahrelanger Patentstreit, der 1985 schließlich zugunsten von Polaroid entschieden wurde. Die Konsequenzen für Kodak waren drastisch: Ab dem 9. Januar 1986 nahm Kodak sämtliche Sofortbildkameras und Filme vom Markt.
Doch damit nicht genug: Auch bereits verkaufte Kameras und Filme wurden zurückgerufen und vernichtet. Kodak bot den Besitzern verschiedene Formen der Entschädigung an. Dadurch sind Kodak-Sofortbildkameras heute vergleichsweise selten zu finden – und gerade deshalb für Sammler und Museen besonders interessant.
EK4 oder EK6 – Kurbel oder Motor?
Die beiden ersten Kodak-Sofortbildkameras, EK4 und EK6, sehen sich sehr ähnlich. Der entscheidende Unterschied steckt im Filmtransport:
Bei der EK4 wird der Film ganz klassisch mit einer Handkurbel transportiert. Die EK6 übernimmt diese Arbeit dagegen automatisch – hier sorgt ein Motor für den Filmtransport.
Die Belichtung wird von einer Automatik gesteuert. Wer die Belichtung selbst etwas korrigieren möchte, kann dies über einen Schieber an der rechten Seite der Kamera tun. Möglich sind Korrekturen von ±1 Lichtwert (LW).
Fokussieren mit einem Kreis
Auch beim Scharfstellen geht Kodak einen eigenen Weg. Das Objektiv wird manuell fokussiert. Im Sucher befindet sich dazu ein kreisförmiges Einstellfeld, dessen Größe sich beim Verstellen der Entfernung verändert.
Die Kamera liefert dabei eine ungewöhnlich einfache Fokussierhilfe: Der Kopf der fotografierten Person soll genau in den Kreis passen. Ist der Kreis vollständig vom Kopf ausgefüllt, stimmt die eingestellte Entfernung.
Zwei Spiegel für ein möglichst flaches Gehäuse
Ein weiteres interessantes Detail befindet sich im Inneren der Kamera. Damit die Kodak-Sofortbildkameras trotz ihrer Technik möglichst schmal gebaut werden konnten, befinden sich im Strahlengang zwei Spiegel.
Diese lenken das Bild durch die Kamera und ermöglichen es, das Objektiv und die Filmebene platzsparender anzuordnen.
Das fertige Sofortbild verlässt die Kamera anschließend an der Unterseite.
Ein wichtiger Unterschied zu Polaroid
Auch bei der Stromversorgung ging Kodak einen eigenen Weg.
Während viele Polaroid-Sofortbildkameras ihre Energie direkt aus dem Filmpack beziehen, besitzt die Kodak EK4/EK6 eigene Batterien. Für den Betrieb werden zwei Batterien vom Typ J verwendet.
Damit sind diese Kameras nicht nur ein interessantes Kapitel der Sofortbildgeschichte, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Kodak versuchte, sich mit einer eigenen technischen Lösung gegen den damaligen Marktführer Polaroid zu behaupten.
Nur wenige Jahre nach ihrem Erscheinen waren die Kodak-Sofortbildkameras wieder vom Markt verschwunden. Gerade diese kurze Geschichte macht sie heute zu spannenden Zeitzeugen eines ungewöhnlichen Konkurrenzkampfes in der Fotografie.